Autorenstaffel – Kannst du vom Schreiben leben?

Silvia Nagels hat mir im Rahmen ihrer Autorenstaffel die Frage gestellt, ob ich vom Schreiben leben kann. Die Antwort will ich mein Protagonist wissen ^^

Ungeduldig öffne ich das langersehnte Paket und hebe behutsam die Supernatural -Christbaumkugeln heraus. Wunderschön sind sie. Mattschwarz mit silbernen Zeichen. Da geht selbst einem Grinch wie mir das Herz auf. Die werden sich prima neben den Star Wars Kugeln machen. Ich kann den Weihnachtsbaum schon fast vor mir sehen. Ganz in Schwarz und …
„Was sind das für Dinger?“
Ich kreische und lasse fast die Packung mit den Kugeln fallen.
„Chris, verdammt. Könntest du dir vielleicht abgewöhnen, ständig aus dem Nichts hinter mir zu erscheinen?“, maule ich meinen Protagonisten an.
Der grinst breit. „Warum? Macht doch Spaß.“
Ich verdrehe die Augen. Seitdem ich ihn in den vorläufigen Ruhestand geschickt habe ist er offensichtlich nicht ausgelastet.
Interessiert kommt er näher und betrachtet die Kugeln. „Nun sag schon, wofür benutzt ihr diese Dinger? Sie sehen ein wenig aus wie Thermaldetonatoren.“ Chris legt den Kopf schräg. „Willst du wen in die Luft sprengen? Oder etwas?“
„Himmel nein! Ich hab nur meinen monatlichen Verdienst aus den Buchverkäufen bekommen und mir von einem Teil davon diese Christbaumkugeln gegönnt.“
„Christbaumkugeln?“
Verflixt, vielleicht hätte ich ihm doch von Weihnachten erzählen sollen, anstatt dieses Fest aus seiner Welt zu streichen. Bevor ich das wirklich bedauern kann, bemerke ich, wie sich etwas in seinem Blick ändert.
„Dann sind diese Dinger also wertvoll?“
„Wie kommst du denn jetzt darauf?“
„Na du sagtest doch, du hast sie von dem … Wie nennt ihr das noch? Geld …?“
Ich nicke und er fährt fort: „…geleistet, dass du mit dem Verkauf unserer Bücher bekommen hast.“
Ach, plötzlich sind es unsere Bücher. Ich würde mich darüber ärgern, hätte er nicht so stolz geklungen.
„Genau genommen hätte ich mir mehrere Pakete dieser Kugeln davon leisten können“, setze ich also noch einen obendrauf.
Nun ist es wirklich so etwas wie Bewunderung, die in seinen Augen aufblitzt.
„Dann habe ich dir also geholfen, dir deinen Traum zu erfüllen? Du wolltest doch immer vom Schreiben leben können. Silvia Nagels hat dir doch diese Frage auch gestellt. Ist das hier deine Antwort an sie?“
Oh man, wie komme ich da nun nur wieder raus, ohne ihn zu enttäuschen?
„Ähm ja“, stimme ich ihm zu. „Genaugenommen kostet eine dieser Kugeln ebenso viel wie ein Döner.“
Damit habe ich seine volle Aufmerksamkeit. Er liebt Döner, seitdem ich ihn einmal davon hatte probieren lassen.
„Sagtest du nicht, diese gefüllten Brotstücke wären nicht allzu kostspielig?“
Verdammt, verdammt, verdammt, warum muss er mir immer so aufmerksam zuhören? Schnell machte ich eine abwertende Handbewegung.
„Ich würde ja auch nicht einen ganzen Monat von nur einem Döner leben können.“
„Wer will denn auch einen ganzen Monat lang nur mit Fleisch gefülltes Brot essen?“
„Vergiss den Salat nicht. Und Soße ist auch noch drauf.“
Nun lag eindeutig Misstrauen in seinem Blick. „Was versuchst du mir auf deine merkwürdig verdrehte Art mitzuteilen?“
„Dass ich sogar monatelang vom Erlös meiner … unserer Bücher leben könnte, wenn ich die Ernährung auf ein Pfund Nudeln und eine Flasche Ketchup wöchentlich umstelle.“
„Autorin!“ Ups, wenn er mir so kommt, ist es ernst. „Hör auf um den heißen Brei herumzureden und beantworte die Frage! Kannst du vom Schreiben leben?“
„Das kann ich so nicht beantworten“, antworte ich, wobei ich ihm nicht in die Augen sehen kann. „In meiner Welt gehört es sich nicht, über Geld zu sprechen.“
„Also nicht!“, schlussfolgerte er, während ich beschließe, den nächsten Protagonisten weniger klug zu machen.
„Wenn ich keine Miete zahlen müsste, keine Nebenkosten und auch sonst nichts, außer dem Essen …“
„Dönertaschen und Nudeln mit Ketchup würden wir nicht einmal auf Terra 2 als ausgewogene Ernährung bezeichnen!“
Stimmt! Da ernährt sich die Unterschicht auch mal von gebratenen Ratten. Aber ich bin klug genug, das nicht laut zu sagen.
Dennoch verengt er die Augen. „Was hast du da eben gedacht?“
Verflixt, wie konnte ich vergessen, dass er auch in meinem Kopf ist und demzufolge meine Gedanken kennt?
Bevor ich dazu komme zu antworten, lässt er sich auf einen der Sessel fallen. „Warum schreibst du überhaupt, wenn es dir so wenig einbringt?“, bohrt er weiter.
„Ich wollte nie damit reich werden.“
Das ›Lügnerin‹ ist ihm so deutlich anzusehen, als hätte er es laut gesagt.
„Na gut“, schwäche ich meine Aussage ab, „ich hätte auch nichts dagegen, wenn ich mit dem Schreiben genug verdienen würde, um wirklich davon zu Leben. Aber eigentlich schreibe ich, weil mir das ein Grundbedürfnis ist.“ Unwillkürlich schüttle ich den Kopf. „Ich wüsste nicht, was ich tun würde, könnte ich nicht mehr schreiben.“
„Ist dieses überdramatisieren auf das Aneinanderreihen von Buchstaben bezogen, eigentlich so ein allgemeines Autorending?“
„Überdramatisieren?“ Empört schnappe ich nach Luft. Da ich meine Leser nicht mit dem schockieren möchte, was mir gerade durch den Kopf geht, denke ich es nur. Daran, wie Chris die Augen aufreißt sehe ich, dass er es auch so verstanden hat.
„Weißt du was?“, sage ich im besten ›Ich bin nicht zickig‹ Tonfall. „Fragen wir doch meine Autorenkollegen, wie sie das sehen. Hilde Kölbl, wenn du nicht schreiben könntest, was würdest du als Ersatz tun?“

 

 

 

 

 

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