CharactersofSeptember2019 Challenge

Es ist wieder soweit. #Charactersofseptember geht in die dritte Runde. Was als spontane Idee anfing, hat im Lauf dieser drei Jahre einige Fans gefunden.Umso mehr freue ich mich über jeden der mitmacht und / oder die Beiträge verfolgt 
Wie auch in den vorherigen Jahren antworten bei dieser Challenge die Protagonisten. (Irgendwie hab ich das Gefühl meine mögen mich nicht besonders  ^^)#Charactersofseptember2019 Tag 1: Bitte stell dich vor

Mein Telefon klingelt und ich weiß genau, was mir der Anrufer mitteilen wird. Genau deswegen habe ich keine Lust anzunehmen. Obwohl mich unser Dienststellenleiter mich am morgen noch eindringlich dazu aufgefordert hat mich in dieser Sache kooperativ zu zeigen.
Eigentlich lauteten seine Worte: „Ich erwarte, dass Sie sich von Ihrer besten Seite zeigen, Wagner.“
Ich schnaube leise bei der Erinnerung und nehme endlich das Telefonat an, weil mir die Klingelei auf die Nerven geht.
„Ja, ich weiß, sie ist da“ sage ich, bevor der Wachhabende am anderen Ende der Leitung überhaupt zu Wort kommt.
Er bestätigt knapp und legt sofort wieder auf. Ich sehe förmlich vor mir, wie er die Augen verdreht. Vermutlich murmelt er sich auch was über mich und meine Launen in den nicht vorhandenen Bart.
Ist mir egal. Ich habe Fälle zu lösen und keine Lust auf die tägliche Fragerunde, die mir meine #Autorin aufgedrückt hat. Außerdem weiß ich, was sie ihren Charakteren normalerweise antut. Zugegeben, ich bin dabei noch recht gut weggekommen. Aber auch, wenn ich ganz gerne mal Risiken eingehe, erscheint mir dieses angeblich harmlose Treffen äußerst riskant. Ich mag meine Psyche so, wie sie ist und verspüre nicht das Bedürfnis wie ihre anderen Protagonisten zu enden. Wer will schon diverse Traumata mit sich rumschleppen?
Offiziell möchte sie mich zwar interviewen, da es hier in #Peine vor einigen Wochen eine Reihe von Giftanschläge in einem #Dampfershop gab, die ich aufgeklärt habe.
Zwar nur in ihrem #Buch ›#Mondscheingift‹, aber das ist der Dame offenbar egal. Außerdem weiß ich, dass sie in Wahrheit nur mit mir sprechen will, weil ich derjenige ihrer Protagonisten bin, über den sie am wenigsten weiß. Ich bin entschlossen, dass das auch so bleibt. Wäre ja noch schöner, wenn jeder seine Nase in meine Privatangelegenheiten stecken dürfte.
Während ich mich auf den Weg mache, meine Autorin abzuholen … ja gut, eine meiner Autorinnen, ich bin ja schon froh, dass sie hier nicht im Duo aufkreuzen – beneide ich meinen Partner Kriminaloberkommissar Oliver Gölz, mit dem ich den Fall zusammen aufgeklärt habe. Der befindet sich gerade mit seiner Familie im Urlaub irgendwo an der Nordsee, daher muss ich mich allein mit dieser leidigen Angelegenheit herumschlagen.
Jetzt sehe ich meine Autorin auch schon, gehe zu ihr und strecke ihr die Hand entgegen.
„Kriminalhauptkommissar Andreas Wagner, 35 Jahre alt. Reicht das als Vorstellung?“

Tag 2: Beschreibe dich selbst

Okay, das mit dem ›von der besten Seite zeigen‹, ist noch ausbaufähig, schießt es mir durch den Kopf, als meine Autorin nach meiner Vorstellung lediglich grinst und den Händedruck überraschend fest erwidert.
„Ich merk schon, du redest immer noch nicht gerne mit mir“, antwortet sie. „Genau das habe ich erwartet. Dabei wirst du in dem Krimi ›Mondscheingift‹ eher als Womanizer dargestellt.“
„Worum ich nicht gebeten habe. Ich bin Polizist. Das hätte im Vordergrund stehen sollen. Außerdem kann ich charmant sein. Wenn ich es will, nicht, wenn ich muss.“
„Und da ist er auch schon; der Drang sich jeglicher #Autorität zu widersetzen. Das war auch der Grund, weswegen dein Versetzungsgesuch immer wieder abgelehnt wird, nicht wahr?“
“Autorität?“ Ich hebe eine Braue, auch wenn mir bewusst ist, wie Klischeehaft so etwas ist. „Ich sehe hier keine Autorität, außer die der #Gesetzeshüter.“
Sie winkt ab. „Vermutlich wäre ich auch grantig, wenn ich den ganzen Tag in diesem
Siebzigerjahrebau mit Charme eines Schuhkartons arbeiten müsste. Warum gehen wir nicht irgendwo einen Kaffee trinken? Dabei redet es sich besser.“
Mir entgeht nicht, wie sie nebenbei versucht, mir meinen Heimvorteil zu nehmen.
„Gern“, antworte ich. „Ich hab eine Senseo im Büro.“
„Hat Oliver dich also endlich zu einer Kaffeemaschine überredet?“
„War im Angebot“, antworte ich und bedeute ihr, mir zu folgen.
„Schon klar, aber kommen wir doch gleich zum Wesentlichen“, meint sie, während sie mir folgt. „Deine #Kollegen verglichen dich ja oft mit Elyas M’Barek. Aber wie würdest du dich beschreiben?“
„Sicher nicht wie diesen Typen. Immerhin habe die blauen Augen meines Vaters geerbt.“
„Und verbringst Stunden damit, damit deine Frisur wirkt, als wärst du gerade aus dem Bett gestiegen, wofür du mit einer guten Portion Haarwachs sorgst. Außerdem trägst du am liebsten T-Shirt und Lederjacke. Ist schon klar, aber erzähl mir doch mal etwas, was ich noch nicht weiß.“
„Ich mag eben keine Anzüge. Darin fühle ich mich wie ein Zirkusäffchen. Sie sind unbequem und schränken die Bewegungsfreiheit ein.“
„Nicht, wenn es die richtigen sind.“
„Stimmt, ich vergaß, dass du eine Vorliebe für #Protagonisten in Anzügen hast.“
Sie grinst. „Nun, noch ist er ein Antagonist, aber das tut hier nichts zur Sache.“
„Schön, wäre das Thema auch erledigt“, brumme ich.
Das bringt sie zu Lachen. „Da ich quasi deine Beschreibung übernommen habe, lasse ich dir das für heute durchgehen.“
Durchgehen? Ich spüre, wie meine Brauen fast bis zu meinem Haaransatz kriechen. Was glaubt sie, wer sie ist?

Tag 3 Welches ist deine frühste Erinnerung?

Ich reiße mich zusammen, biete meiner Autorin an, Platz zunehmen und werfe die Kaffeemaschine an.
„Latte Macchiato, richtig?“, frage ich.
Sie soll ruhig wissen, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe.
Sie nickt, setzt sich und schlägt entspannt die Beine übereinander.
Ich serviere ihr ihr persönliches Suchtmittel, als wäre ich Oberkellner und nicht Kriminalhauptkommissar und bereite mir ebenfalls eine Tasse zu. Schwarz, mit einem Löffel Zucker.
Mein Partner Oliver würde mir nun vermutlich wieder einen Vortrag über Kohlenhydrate halten, aber da er im Urlaub ist … Außerdem trainiere ich mir den Zuckergenuss heute Abend im Fitnessstudio eh wieder ab, also was soll`s?
„Warum spielt meine Kindheit eine Rolle“, frage ich, als ich mich ihr gegenübersetzte.
„Die Leser möchten mehr über dich wissen“, erklärt sie.
Als ob es mich interessiert was … Nein Stopp, ich soll mich ja von meiner besten Seite zeigen. Ich beuge mich ein wenig vor und sehe meiner Autorin in die Augen.
„Meine ersten Erinnerungen bestehen aus dem Strand, an dem ich mit meinen Eltern immer den #Urlaub verbracht habe. Sonne, Wasser, Gelächter.“
Nun ist es an ihr, eine Braue zu heben. “Das ist noch nicht alles.“
Ich spüre, wie sich meine Schultern anspannen zusammen mit meinem Kiefer.
„Du hast nach meiner ersten Erinnerung gefragt.“
Alles was danach kam, versuche ich zu verdrängen. Die Schreie, das Poltern, die Hilflosigkeit, als ich barfuß und nur im Schlafanzug zu den Nachbarn gerannt bin, um die Polizei zu rufen. Meine Mutter hat mir das nie verziehen, obwohl ich damals erst knapp vier Jahre alt war.
„Du hast mehrere Jahre bei deinem Vater gewohnt“, drischt meine Autorin in genau diese Kerbe. “Was ist damals passiert?“
„Meine Mutter hat uns verlassen“, zische ich.

Tag 4: Was wolltest du werden, als du ein Kind warst? Was ist letztendlich aus dir geworden?

Nun beugt sich meine Autorin interessiert vor.
„Warum ließ deine Mutter dich bei deinem Vater zurück?“
„Uns“, entfährt es mir, obwohl ich längst bedaure, dass ich mich zu dem Geständnis habe hinreißen zu lassen. Aber sie wird eh keine Ruhe geben. Also füge ich hinzu: „Ich war sechs, meine Schwester zwei Jahre alt, als unsere Mutter uns verließ.“
„Du hast eine Schwester?“
„Hatte“, erwidere ich bemüht gleichgültig. “So wie meine Mutter entschieden hat, eine kleine #Auszeit von uns zu brauchen, kehrte sie fünf Jahre später zurück, In Begleitung eines wohlhabenden Knacker, der sich gern von uns hätte Stiefvater nennen lassen. Denn natürlich forderte meine Mutter mich und Conny zurück. Leider waren unsere Eltern nie verheiratet und mein Vater hat es versäumt sich nach der Flucht meiner Mutter für das Sorgerecht eintragen zu lassen. Er hatte also keine Handhabe, als sie eines Tages vor der Tür stand und uns mitnehmen wollte. Ich habe mich geweigert und da ich alt genug war, hat das Gericht mich letztendlich angehört und entschieden, dass ich bei meinem Vater bleiben dürfte. Bei Conny hingegen waren sie der Meinung, sie wäre zu jung und daher besser bei ihrer Mutter aufgehoben. Das endete Jahre später in diversen Entzugskliniken und letztendlich mit dem Tod meiner Schwester.“
Ich starre in meinen Kaffee, frage mich, wie so oft, ob ich es hätte verhindern können, wenn ich da gewesen wäre. Wen ich nicht feige jeden Kontakt zu meiner Mutter und im Laufe der Jahre auch zu meiner Schwester abgebrochen hätte.
„Als Kind wollte ich immer ein Superheld werden“, gestehe ich, ohne zu wissen, warum ich das sage.
„Nun, ist Polizist nicht die reale Form davon?“
Ich schnaube. Sie hat echt keine Ahnung. Dabei dachte ich einmal ähnlich.

Tag 5: Was für eine Eigenschaft an dir treibt andere in den Wahnsinn, die du aber als Stärke siehst?

Die Frage reißt mich aus meinen düsteren Erinnerungen.
„Darüber habe ich mir noch mir Gedanken gemacht“, gebe ich zu.
Meine Autorin grinst. „Dann ist jetzt die beste Gelegenheit dafür.“
„Nun, das wäre dann wohl mein bereits erwähnter Drang mich jeglicher Autorität zu widersetzen.“ Ich ertappe mich dabei, wie ich tatsächlich ihr Grinsen erwidere. „Auch wenn in meinem Job anderes erwartet wird, eigne ich mich nicht zum reinen Befehlsempfänger. Regeln sind gut und schön, aber ab und an muss man sie ein wenig dehnen.
„Zum Beispiel?“
„Nun, nehmen wir einmal an, eine Rentnerin wird bei wiederholten Lebensmitteldiebstahl erwischt, den sie begeht, weil ihre Rente zu gering ist und sie sich schämt, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Somit könnte sie auch eine Geldstrafe nicht zahlen. Ihr droht somit unter Umständen eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis hin zu zehn Jahren. Jemanden, der ein Kind sexuell missbraucht, droht ebenfalls eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Findest du das fair?“
Sie schüttelt den Kopf und öffnet den Mund, aber ich lasse sie nicht zu Wort kommen. „Ich sage nicht, dass es richtig ist, bei der Rentnerin wegzusehen. Aber …“, Verdammt, mir wird bewusst, dass sie wird alles, was ich sage, veröffentlichen wird. Gerade noch rechtzeitig stoppe ich mich und presse die Lippen zusammen. Soll sie doch denken, was sie will.
Challenge #challenge #krimi #thriller #Peine

 

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